INTERVIEW MIT DEM PILOTEN: ERIC SWAFFER

Eric Swaffer arbeitet als Pilot für Privatjet und Hubschrauber. Er kann auf über 20 Jahre Flugerfahrung zurückblicken.

Die Arbeit als Helikopterpilot kann sehr vielseitig und oftmals eine echte Herausforderung sein. Eric hat unter anderem für Live-Übertragungen wie 'The Big Breakfast' und 'The Virgin Radio Traffic Helicopter' als Hubschrauberpilot gearbeitet.

Zunächst begann Eric seine Karriere als 'Starrflügler'-Pilot bei einer Fluggesellschaft bevor er in die Geschäftsluftfahrt wechselte. Zurzeit fliegt Eric sowohl Hubschrauber als auch Privatjets. Außerdem ist er Ausbilder für verschiedene Flugzeugtypen und Prüfer bei der Joint Aviation Authority (Arbeitsgemeinschaft der europäischen Luftfahrtverwaltungen).

Trotz Kapitäns Swaffers vollem Terminkalender mit Flügen nach Nizza, Mykonos und London gelang es uns, ihn zu seinem Beruf zu befragen. Lesen Sie hier die Antworten auf Fragen, die Sie schon immer mal einem Piloten stellen wollten…

DER WERDEGANG EINES PILOTEN

Wollten Sie schon immer Pilot werden? Und würden Sie uns Ihren Werdegang verraten?
Seit ich in meiner Kindheit mal in ein Cockpit durfte interessiere ich mich fürs Fliegen. Meine Karriere in der Luftfahrt begann als Kadet bei Bristow Helicopters. Dort bin ich die ersten fünf Jahre über die Nordsee geflogen, danach hatte ich das Vergnügen, gecharterte und private Helikopter fliegen zu dürfen.

Im Anschluss daran habe ich bei einer Linienfluggesellschaft gearbeitet und die letzten acht Jahre habe ich im Geschäfts- und privaten Flugverkehr verbracht. Während meiner Karriere habe ich mich gleichzeitig zum Ausbilder und Prüfer weitergebildet. Heute kann ich für verschiedene Hubschraubertypen und Starrflügel-Luftfahrzeuge ausbilden. Außerdem habe ich den Ankauf von mehr als zwanzig Luftfahrzeugen abgewickelt. Ich kann zu Recht sagen, ich weiß wo die Fallstricke liegen und ich weiß, wie man einen neuen Geschäftsbereich aufbaut.

Wohin führte Ihr erster Flug?
Mein erster Solo-Flug startete in Leavesden. Das war ein Flugplatz in der Nähe von Watford, der heute geschlossen ist.

Welches Luftfahrzeug ziehen Sie denn vor? Einen Hubschrauber oder ein Flugzeug?
Eigentlich fliege ich lieber Hubschrauber aber ich mag die unterschiedlichen Reiseziele und die Aufenthalte, die meistens mit dem Flug einhergehen.

Wie sieht denn Ihr jährlicher Trainingsplan aus?
Ich versuche immer meine Kenntnisse für zwei Flugzeuge und zwei Hubschrauber auf dem Laufenden zu halten und absolviere ein regelmäßiges Auffrischer-Training. Dazu gehört auch, dass ich für jeden Flugzeugtyp meine Musterberechtigung (Type Rating) erneuere. Da ich auch eine Lehrberechtigung habe bzw. als Prüfer arbeite, werde ich auch in diesen Funktionen alle 3 Jahre geprüft.

Wenn ich ein Charterflugzeug fliege, kommen zusätzlich die halbjährlichen Operator Proficiency Checks (Befähigungsüberprüfung) und verschiedene Bodenprüfungen, wie Erste Hilfe, Umgang mit gefährlichen Gütern, Brandschutz und ein Crew Ressource Management (CRM) Sicherheitstraining hinzu.

VOR- UND NACHTEILE

Welches ist Ihr liebster Landeanflug oder Hubschrauberlandeplatz und warum?
Das ist wirklich schwer zu sagen. Der Anflug auf den Flughafen von Male auf den Malediven ist einfach traumhaft. Ein einmaliger Anblick bietet sich auch beim Anflug auf Samedan, in der Nähe von St. Moritz. Die Aussicht auf die Alpen ist einfach atemberaubend. Spektakulär ist ebenso eine Landung auf dem Heliport von Monaco, besonders wenn man von Nizza aus entlang der Küste fliegt mit den Alpen im Hintergrund.

Welchen Flug werden Sie nie vergessen?
Ich werde sicherlich nie den Rettungsflug vergessen, bei dem wir einen Verletzten über eine Winde an Bord gezogen haben. Das geschah 100 Seemeilen nördlich der Shetland Inseln. Es herrschte hoher Seegang und Windstärken bis zu 100 kmh.

Ihr Tipp in Bezug auf die Fliegerei?
Nutzen Sie alle Ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen, einschließlich der Kollegen, denn Fliegen ist Teamwork.

Was war der beste Ratschlag, den Sie erhalten haben?
Man sollte eine Karriere als Pilot bei einer Linienfluggesellschaft beginnen bevor man in die Geschäftsluftfahrt wechselt.

Welches ist die meistgestellte Frage an Sie?
Fliegen Sie lieber ein Flugzeug oder einen Hubschrauber?

Was lieben Sie an Ihrer Arbeit am meisten?
Ich liebe die Reiserei und man trifft viele tolle Menschen.

Was mögen Sie weniger gerne an Ihrem Beruf?
Ich könnte gut auf 12 Stunden Nachtflüge verzichten!

AN BORD

Was nehmen Sie in Ihrem Piloten-Gepäck mit?
Ich habe immer mein Macbook Pro und meinen Blackberry dabei. Auf Überwasserflügen oder auf Flügen, bei denen der nächste Ausweichflughafen weit entfernt ist, überprüfe ich immer, ob sich neben der obligatorischen Erste-Hilfe-Ausrüstung auch eine medizinische Notfallausrüstung und ein Defibrillator an Bord befinden. Außerdem habe ich immer Voltaren 100 oder Voltfast 50 an Bord für den Fall, dass bei einem Passagier Nierenkoliken diagnostiziert werden. Diese Medikamente sorgen für schnelle Linderung, fehlen aber normalerweise in einer medizinischen Ausrüstung, da sie verschreibungspflichtig sind. Natürlich würde ich dieses Medikament nur verabreichen wenn der Patient vorher einen Arzt über Satcom konsultiert hat.

Ihr liebstes Flugzeug?
Die Gulfstream G550. Sie hat eine enorme Reichweite und bietet damit eine Vielfalt an Reisezielen.

Wohin ging Ihr letzter Flug (Hin und zurück)?
Ich bin gerade wieder in London gelandet. Ich war auf der Sonneninsel Mykonos.

DIE ZUKUNFT DER LUFTFAHRT

Was wird sich ihrer Meinung nach in der privaten Luftfahrt in den nächsten 5 Jahren ändern?
Für alle Luftfahrzeuge, die nicht verchartert werden, denke ich, werden weitere Bestimmungen in Kraft treten und es wird verbesserte und detaillierte Trainingsprogramme geben.
Die Angebote auf dem Chartermarkt werden effizienter werden und es werden weniger Leerflüge angeboten werden.

Welchen Rat würden Sie angehenden Piloten von Privatjets mit auf den Weg geben?
Die beste Pilotenausbildung erhält man entweder beim Militär oder bei einer Linienfluggesellschaft. Zweifellos ist die Ausbildung beim Militär die Bessere, denn die kommerzielle Luftfahrt verfügt einfach nicht über die gleichen Ressourcen. Allerdings sollte man sich darauf einstellen, dass es bei einem Gefecht durchaus gefährlich werden kann.

Und was raten Sie den Passagieren eines Privatjets?
Wenn Sie irgendwelche Zweifel hinsichtlich eines Fluges haben, dann sollten Sie sich Rat bei einem vertrauenswürdigen und erfahrenen Fachmann holen, wie z. B. Adam Twidell von PrivateFly.
Welche großen Veränderungen gab es in der Luftfahrt, seit Sie mit dem Fliegen begonnen haben?
Der technologische Fortschritt verändert die Luftfahrt ständig.

ZUR PERSON

Was vermissen Sie am meisten wenn Sie auf Reisen sind?
Am meisten vermisse ich die gute Hausmannskost – obwohl ich den anschließenden Abwasch nicht vermisse.

Was lesen Sie Zurzeit?
Endgame: The End of the Debt SuperCycle and How It Changes Everything (Das Ende des Schulden-Superzyklus und wie es die Welt verändert), von John Mauldin und Jonathan Tepper.

Wohin wollten Sie immer schon einmal fliegen?
Ich würde gerne einmal nach Udaipur in Indien fliegen. Rajasthan ist nach der Monsoonzeit wunderschön.

Da Sie so viel reisen - verraten Sie uns Ihr Lieblingshotel?
Ein Luxusaufenthalt im Gstaad Palace ist unschlagbar. Ein weiteres Lieblingshotel ist das JW Marriott in Juhu, Mumbai, Indien. Die Einrichtungen und der Service sind unvergleichlich. Da ich über die letzten 2 Jahre 180 Nächte dort verbracht habe, ist das Hotel in etwa meine zweite Heimat. Wenn ich während meiner Aufenthalte in Indien gerade nicht arbeite, gehe ich auch gerne in das Jaipur Hotel in Mount Abu in Rajasthan. Das Hotel befindet sich in einem restaurierten Palast an einer Bergstation. Wir haben zu diesem Hotel eine besondere Verbindung, denn wir waren die ersten Gäste, die dort übernachtet haben.

Ihre Lieblingsstadt?
Wien, wegen der Kultur und Architektur.

Welches Auto fahren Sie?
Ich fahre einen Audi A4. Ich setze nicht nur beim Fliegen sondern auch beim Autofahren auf Sicherheit und Zuverlässigkeit.

Fliegen Sie in den Ferien weg oder machen Sie Urlaub daheim?
Ich habe das große Glück, häufig bezahlte Urlaube mit meiner Lebensgefährtin Izabela Lechowicz zu verbringen, denn Sie arbeitet als Erster Offizier (Co-Pilot). Seit 2005 fliegt Izabela die Citation II (C550), die Citation CJ (C525), die Citation Excel (C560XL) und die Gulfstream 550.

Wenn Sie einen Linienflug nehmen, sind Sie dann als Erster am Check-in oder sind Sie der Letzte, der das Flugzeug besteig?
Ich bin IMMER der Letzte, der an Bord geht.

Was stört Sie bei einem Linienflug am meisten?
Die endlose Warterei!Man steht in riesigen Schlangen am Check-in Schalter, bei den Sicherheitskontrollen und beim Einsteigen.
Eric, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Eric Swaffer von International Flight Crew beantwortete diesmal unsere 'Fragen an den Piloten'.

Eric Swaffer fliegt zurzeit Verkehrsflugzeuge und Geschäftsflugzeuge, darunter dieGulfstream GV, Gulfstream G450, Gulfstream G550, Gulfstream GIV, Boeing B737-300/700, Hawker HS125, Citation C560XLS, Citation 525, Citation 550.

Außerdem fliegt er die folgenden Hubschrauber:
AS332(L) Super Puma, Sikorsky S76, Agusta 109, AS355 Twin Squirrel, SA341 Gazelle, Bell 206 Jetranger, Robinson R44, Robinson R22.

Images © Eric Swaffer

FRAGEN AN DEN PILOTEN

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